Clemens Tremmel, and the earth remembered nothing, Ausstellungsansicht, REITER | Leipzig, 2026

Clemens Tremmel and the earth remembered nothing

Leipzig 10.01.–07.03.2026

Clemens Tremmel, and the earth remembered nothing, Ausstellungsansicht, REITER | Leipzig, 2026
Clemens Tremmel, and the earth remembered nothing, Ausstellungsansicht, REITER | Leipzig, 2026
Clemens Tremmel, Vestmannaeyjar, 2025. Öl auf Aluminium, 60 cm x 80 cm x 5 cm
Clemens Tremmel, Vestmannaeyjar, 2025. Öl auf Aluminium, 60 cm x 80 cm x 5 cm
Clemens Tremmel, Das Meer (49), 2025. Öl auf Aluminium, 60 cm x 80 cm x 5 cm
Clemens Tremmel, Das Meer (49), 2025. Öl auf Aluminium, 60 cm x 80 cm x 5 cm
Clemens Tremmel, and the earth remembered nothing, Ausstellungsansicht, REITER | Leipzig, 2026
Clemens Tremmel, and the earth remembered nothing, Ausstellungsansicht, REITER | Leipzig, 2026
Clemens Tremmel, Auftakt, 2023. Öl auf Aluminium, 70 cm x 60 cm x 5 cm
Clemens Tremmel, Auftakt, 2023. Öl auf Aluminium, 70 cm x 60 cm x 5 cm
Clemens Tremmel, and the earth remembered nothing, Ausstellungsansicht, REITER | Leipzig, 2026
Clemens Tremmel, and the earth remembered nothing, Ausstellungsansicht, REITER | Leipzig, 2026
Clemens Tremmel, Isjaki (3), 2024. Öl auf Aluminium, 60 cm x 70 cm x 5 cm
Clemens Tremmel, Isjaki (3), 2024. Öl auf Aluminium, 60 cm x 70 cm x 5 cm
Clemens Tremmel, Der Bruch, 2025. Öl auf Aluminium, 150 cm x 200 cm x 10 cm
Clemens Tremmel, Der Bruch, 2025. Öl auf Aluminium, 150 cm x 200 cm x 10 cm
Clemens Tremmel, and the earth remembered nothing, Ausstellungsansicht, REITER | Leipzig, 2026
Clemens Tremmel, and the earth remembered nothing, Ausstellungsansicht, REITER | Leipzig, 2026
Clemens Tremmel, Bláhnúkur, 2019. Öl auf Aluminium, 100 cm x 150 cm x 5 cm
Clemens Tremmel, Bláhnúkur, 2019. Öl auf Aluminium, 100 cm x 150 cm x 5 cm
Clemens Tremmel, Das Meer (37), 2024. Öl auf Aluminium, 70 cm x 60 cm x 5 cm
Clemens Tremmel, Das Meer (37), 2024. Öl auf Aluminium, 70 cm x 60 cm x 5 cm
Landschaft ist bei Clemens Tremmel kein Ort, den man betritt, sondern ein Zustand, dem man ausgesetzt ist. Seine Arbeiten führen nicht in eine idyllische Ferne, sondern in Räume innerer Spannung, in denen Natur, Erinnerung und Wahrnehmung ineinandergreifen. Was zunächst vertraut erscheint, entzieht sich bei näherer Betrachtung jeder festen Verortung.
Tremmels Bilder greifen die große Tradition der Landschaftsmalerei bewusst auf. Weite Horizonte, geologische Formationen und dramatische Lichtführungen erinnern an jene Bildordnungen, in denen Landschaft als Projektionsfläche von Sehnsucht und Erhabenheit diente. Doch diese Ordnung ist bei Tremmel nie von Dauer. Sie wird beherrscht, um sie im nächsten Moment zu unterlaufen.

Die Landschaften erscheinen zunächst als in sich geschlossene Bildgefüge, mit klar geführten Horizonten, tief gestaffelten Räumen und einer Malweise, die auf Übersicht und Ordnung zielt. Gerade diese scheinbare Stabilität wird jedoch gestört. Durch Übermalen, Vernebeln, Überblenden und das bewusste Setzen von Leerstellen greift Tremmel in die Bildstruktur ein. Perspektiven verlieren ihr Zentrum, Bildräume brechen auf, das pathetische Panorama wird fragil. Landschaft erscheint nicht mehr als harmonische Ganzheit, sondern als ein Gefüge aus Brüchen und Auslassungen. Diese Eingriffe sind kein bloßer Akt der Zerstörung. Sie verschieben den Blick von der äußeren Erscheinung hin zu inneren Spannungen. Schöpfung und Auflösung, Ordnung und Kontrollverlust stehen gleichwertig nebeneinander. Der Verzicht auf eine eindeutige Perspektive überträgt sich dabei von der Kunstgeschichte auf ein gegenwärtiges Weltverhältnis, in dem Ganzheit nur noch als fragile Idee existiert.
Besonders in den nordisch geprägten Motiven verdichtet sich diese Haltung. Fels, Erde und Himmel erscheinen archaisch und zeitlos, zugleich von latenter Energie durchzogen. Licht tritt punktuell aus der Tiefe der Bilder hervor, während andere Partien im Unbestimmten bleiben. Die Landschaft wird so weniger zu einem Ort als zu einem Moment: angehalten im Spannungsfeld vor einer möglichen Entladung.
And the earth remembered nothing beschreibt eine künstlerische Haltung, die Landschaft nicht als Erinnerungsspeicher begreift, sondern als etwas Unabgeschlossenes. Die Arbeiten eröffnen Erfahrungsräume, in denen Stillstand, Spannung und Erwartung zugleich präsent sind.