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27.04.2018 – 18.08.2018 | R E I T E R Berlin prospect

Wanda Stolle

passing

Stolles Arbeiten sind hybride Gebilde, oftmals mit verschiedenen künstlerischen Mitteln gleichzeitig erarbeitet. So weisen sie durchaus zeichnerische, skulpturale aber auch malerische Qualität auf. Ihr optischer Rohstoff ist augenscheinlich eine binäre Verbindung von Schwarz und Weiß. Eingehende Betrachtung offenbart jedoch diverse Grauschattierungen und subtile Farbtöne, die geduldig in das jeweilige Trägermedium eingearbeitet wurden.

Die Tuschezeichnungen fügen sich dem Werkzeug des Bildhauers; Stolle ritzt, schneidet, schabt und schleift ihre Papiere und überarbeitet so Strich, Raster, Fläche und Schraffur. Die Künstlerin traktiert Medium, Material und Struktur und erzeugt so eine diffuse Stofflichkeit. Dann konstruiert sie ihre asketischen wie umfassenden Gebilde, von geometrischen Grundfiguren bis zum komplizierten Polyeder, und die darin mitschwingenden Stimmungen. Wie in abstrakten Grisaillen, die sich auf Lichteinfluss und Schattenwirkung zwischen Schwarz und Weiß gründen, entstehen vielgestaltige Objekte im Spiel feiner Graduierungen und derber Kontraste.
Die Auslassungen und Verletzungen auf dem Papier erweisen sich letztlich als Spur eines bildhauerischen Eingriffs auf der Fläche. Dabei liegt dem konstruktivistischen Charakter der Arbeiten ein Akt der Dekonstruktion im Entstehungsprozess zugrunde. Damit handhabt Stolle Medium und Material als gleichrangige Gestaltungsmittel.

Die Wandobjekte aus Holz werden unter mechanischer und thermischer Einwirkung sukzessiv in seine verschlungene Form gebogen und gezogen, die den Werkstoff kaum mehr ahnen lässt.
Die äußere Form ähnelt einerseits der Leichtigkeit und Beweglichkeit eines gerollten Papierstreifens - in phantastischer Manier und Dimension vergrößert. In den Ausmaßen und Materialeigenschaften gebärden sie sich wie mächtige, wendige Körper, in deren diffusen Grafitoberflächen dem Betrachter verschiedene Phänomene erscheinen und er mitunter Spiegelungen des Raumes und seiner selbst wahrnehmen kann.

So befragt Stolle in poetischer Weise das Zusammenspiel von Fläche und Raum - zwischen Schwarz und Weiß, der Leichtigkeit des Papiers und der masselosen Wucht der Holzskulptur, den sonderbar aufgefassten schlichten Formen und dem enthaltsam angewendeten Licht.

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