exhibition view | Michael Canning »Subterfuge« Reiter Berlin 2026

Michael Canning Subterfuge

Berlin 19.06.–25.07.2026

Ausstellungsansicht | Michael Canning »Subterfuge« Reiter Berlin 2026
Ausstellungsansicht | Michael Canning »Subterfuge« Reiter Berlin 2026
Ausstellungsansicht | Michael Canning »Subterfuge« Reiter Berlin 2026
Ausstellungsansicht | Michael Canning »Subterfuge« Reiter Berlin 2026
Ausstellungsansicht | Michael Canning »Subterfuge« Reiter Berlin 2026
Ausstellungsansicht | Michael Canning »Subterfuge« Reiter Berlin 2026
Michael Canning, The complete stranger, 2026. Öl, Wachs auf Leinwand, 183 cm x 122 cm
Michael Canning, The complete stranger, 2026. Öl, Wachs auf Leinwand, 183 cm x 122 cm
Michael Canning, An alibi, 2026. Öl auf Leinwand, auf Faserplatte, 50 cm x 35 cm
Michael Canning, An alibi, 2026. Öl auf Leinwand, auf Faserplatte, 50 cm x 35 cm
Michael Canning, The things we saw III, 2025. Öl auf gessogrundierter Platte, 25.5 cm x 18 cm
Michael Canning, The things we saw III, 2025. Öl auf gessogrundierter Platte, 25.5 cm x 18 cm
Ausstellungsansicht | Michael Canning »Subterfuge« Reiter Berlin 2026
Ausstellungsansicht | Michael Canning »Subterfuge« Reiter Berlin 2026
Ausstellungsansicht | Michael Canning »Subterfuge« Reiter Berlin 2026
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Michael Canning, Atomic romance, 2026. Öl auf Leinwand, auf Faserplatte, 50 cm x 35 cm
Michael Canning, Atomic romance, 2026. Öl auf Leinwand, auf Faserplatte, 50 cm x 35 cm
Ausstellungsansicht | Michael Canning »Subterfuge« Reiter Berlin 2026.-
Ausstellungsansicht | Michael Canning »Subterfuge« Reiter Berlin 2026.-
Ausstellungsansicht | Michael Canning »Subterfuge« Reiter Berlin 2026
Ausstellungsansicht | Michael Canning »Subterfuge« Reiter Berlin 2026
Ausstellungsansicht | Michael Canning »Subterfuge« Reiter Berlin 2026
Ausstellungsansicht | Michael Canning »Subterfuge« Reiter Berlin 2026
Ausstellungsansicht | Michael Canning »Subterfuge« Reiter Berlin 2026
Ausstellungsansicht | Michael Canning »Subterfuge« Reiter Berlin 2026
Ausstellungsansicht | Michael Canning »Subterfuge« Reiter Berlin 2026
Ausstellungsansicht | Michael Canning »Subterfuge« Reiter Berlin 2026
exhibition view | Michael Canning »Subterfuge« Reiter Berlin 2026
exhibition view | Michael Canning »Subterfuge« Reiter Berlin 2026
Michael Canning, aviary drawing, 2026. Mischtechnik, 38 cm x 31 cm
Michael Canning, aviary drawing, 2026. Mischtechnik, 38 cm x 31 cm
„…sind die schönsten Blumen der Jahrszeit unsre Nelken und unsre gestriemten Sommer-Violen,
die von einigen die unächten Kinder der Natur genannt werden…“
William Shakespeare, Das Wintermärchen, Perdita, 4. Akt, 4. Szene


In der Malerei stellt sich seit jeher die Frage nach dem Verhältnis von Naturbeobachtung und künstlerischer Gestaltung — vielleicht nirgends deutlicher als dort, wo Landschaftsmalerei den Anspruch erhebt, Natur nicht nur abzubilden, sondern in eine bildnerische Form zu überführen. Michael Cannings Gemälde sind in diesem Sinne exemplarisch: Sie zielen auf eine bewusste Synthese aus Gesehenem und Imaginärem, aus Naturbeobachtung und expressiver Vorstellungskraft.
Die Pflanzenbilder der letzten Jahre richten den Blick auf das Randständige, auf jene peripheren Zonen von Vegetation und Landschaft, die gewöhnlich unbeachtet bleiben. Häufig erscheinen pflanzliche, bisweilen geradezu unkrauthafte Gewächse im Vordergrund, während sich im Hintergrund stimmungsvolle, atmosphärisch aufgeladene Räume entfalten — geprägt von dämmerhaften Übergängen oder einem opalisierenden Morgen- und Tageslicht. Die Pflanzen selbst sind stark stilisiert; sie fungieren als visuelle Chiffren für das Übersehene, Vernachlässigte und Marginale. Canning interessiert sich dabei weniger für botanische Exaktheit oder taxonomische Bestimmbarkeit als für die Eigenqualität des Ungezügelten und Nicht-Kultivierten — im Kontrast zu einer kultivierten Flora, deren Erscheinung durch Hybridisierung, Züchtung und menschlichen Eingriff geformt ist.
Der Künstler wurde in Limerick geboren, wo er bis heute lebt und arbeitet. Die Stadt liegt am River Shannon im historischen Munster und bildet, wenn auch in stark abstrahierter Form, den primären Resonanzraum seiner Motive und Bildwelten. Die Landschaft dieser Region ist bekannt für ihre üppigen Täler, eiszeitlich geformten Passagen und canyonartigen Schluchten von außergewöhnlicher Schönheit. Umso bemerkenswerter ist es, dass Canning diese Umgebung auf eine anonyme, atmosphärisch verdichtete Einfachheit reduziert. Seine Malerei evoziert Ort, ohne ihn geografisch festzuschreiben; sie ruft Landschaft auf, verweigert jedoch jede topografische Eindeutigkeit.

In dieser Haltung mag man an die ländlichen Randzonen im Werk des irischen Malers Jack B. Yeats erinnert werden — nicht weil Canning dessen Sujets direkt aufgreifen würde, sondern weil beide Künstler eine intuitive, innere Resonanz zwischen malerischem Zugriff und Gegenstand verbindet. Dies erscheint umso bemerkenswerter, als Canning ursprünglich als Bildhauer ausgebildet wurde. In seinen Gemälden verfolgt er jedoch einen dezidiert flächenbezogenen Ansatz, bei dem eine optische Zäsur zwischen der vordergründigen Pflanzenform und der Horizontlinie des Hintergrunds entsteht.
Ein weiterer prägnanter Aspekt von Cannings Landschaftsbildern mit Pflanzenmotiven liegt darin, dass die dargestellten Gewächse zwar botanisch dem Unspektakulären und Randständigen angehören mögen, in ihrer frontalen, beinahe wachtpostenartigen Setzung jedoch eine eigentümliche Monumentalität gewinnen. Anders als die Statik, die monumentalen Darstellungen häufig anhaftet, strahlen seine Pflanzen eine gespannte Präsenz und eine eigensinnige Würde aus. Gerade in der Aufwertung des Alltäglichen, des Verborgenen und allzu leicht Übertretenen offenbart sich eine zutiefst persönliche und introvertierte malerische Praxis.
Von einer introspektiven Perspektive lässt sich sprechen, weil diese Bildwelten, in denen Pflanzenmotiv und Landschaftsraum aufeinandertreffen, ebenso sehr Bilder des Geistes wie Wahrnehmungen der sichtbaren Natur sind. In Werken wie The Complete Stranger oder The Heavy Light (2026) findet diese Verbindung von innerem Bild und äußerer Erscheinung zu einer überzeugenden Form: getragen von einer tief liegenden Horizontlinie und durchdrungen von atmosphärischem Licht. Und nicht zuletzt: Die Sonne geht im Westen unter — im Einklang mit den eindrucksvollen Abendstimmungen des westlichen Irlands.

– Mark Gisbourne, Juni 2026