Alban Muja The Politics of What Remains
Leipzig 31.10.–19.12.2026
Für seine zweite Einzelausstellung bei REITER Galleries versammelt Alban Muja drei Werkgruppen, in denen Fragen von Erinnerung, kollektiven Werten und gesellschaftlichem Wandel in physischen Formen greifbar werden. Zwischen Denkmal, Architektur und häuslichem Umfeld fragt The Politics of What Remains danach, was fortbesteht, was sich verändert und wie die Vergangenheit in der Gegenwart fortwirkt.
Im Zentrum der Ausstellung steht Time and Transformation. In dieser Werkgruppe überführt Muja ein rekonstruiertes jugoslawisches Denkmal in sechs eigenständige Metallskulpturen. Das ursprüngliche Monument verliert dabei seine geschlossene Form und wird zu etwas Beweglichem, das neue Beziehungen zum Raum eingehen kann und offen bleibt für veränderte Lesarten. Auf diese Weise rückt die Arbeit die Frage in den Vordergrund, wie sich Geschichte mit der Zeit verschiebt und wie Bedeutung sich fortlaufend neu formt.
Diese Auseinandersetzung mit Transformation setzt sich in Blurred Legalities fort. Hier richtet Muja den Blick auf die sich rasant wandelnde urbane Landschaft des Nachkriegskosovo. In Aquarellen hält er informelle Bauten und Dachaufstockungen fest, die sich zwischen Legalität und Illegalität, Notwendigkeit und Ambition bewegen. Diese hybriden Architekturen zeugen von einer Gesellschaft im Umbruch, in der die Stadt durch individuelle Formen der Anpassung fortlaufend umgebaut und weitergeschrieben wird.
Auch in Brotherhood steht die gebaute Umwelt im Mittelpunkt, nun jedoch im Maßstab des Familienhauses. Wiederkehrende, teilweise nahezu identische Häuser erscheinen als Ausdruck von Erbe, Männlichkeit, familiärer Identität und sozialem Status. In ihrer Vervielfachung wird sichtbar, wie individuelle Vorstellungen zu kollektiven Mustern werden und eine Landschaft hervorbringen, die von Tradition ebenso wie vom gegenwärtigen wirtschaftlichen Wandel bestimmt ist.
In ihrer Gesamtheit betrachten die Arbeiten Transformation als einen fortlaufenden Prozess, in dem vergangene Formen verändert fortbestehen und in neuen Zusammenhängen erscheinen. Was bleibt, ist nicht unverändert, sondern wird durch Entscheidungen, Hoffnungen, Konflikte und gesellschaftliche Strukturen immer wieder neu geprägt.
Mit freundlichem Dank an die Botschaft der Republik Kosovo in Berlin und die Autostrada Biennale in Prizren für die Unterstützung dieser Ausstellung.
Alban Muja (geb. 1980 in Mitrovica) ist ein kosovarischer bildender Künstler und Filmemacher mit Wohnsitz in Berlin und Prishtina. Seine künstlerische Praxis ist wesentlich von den sozialen, politischen und ökonomischen Transformationsprozessen des Balkanraums geprägt. Im Zentrum seiner Arbeiten stehen Geschichte, Erinnerung und gesellschaftspolitische Fragestellungen, die er mit gegenwärtigen Entwicklungen im Kosovo in Beziehung setzt. Muja vertrat die Republik Kosovo auf der 58. Biennale von Venedig mit dem Projekt Family Album, das sich mit Vertreibung und Identität auseinandersetzt. 2022 nahm er an der Manifesta 14 in Prishtina teil. 2025 war er mit dem Filmprojekt Mua besoj më shpëtoj portreti (I believe the portrait saved me) im Programm von Forum Expanded der 75. Internationalen Filmfestspiele Berlin vertreten.