Claus Georg Stabe ,unmemory' Ausstellungsansicht, REITER Berlin 2026. Foto: nrup.de

Claus Georg Stabe unmemory

Berlin 13.02.–21.03.2026

Claus Georg Stabe ,unmemory' Ausstellungsansicht, REITER Berlin 2026. Foto: nrup.de
Claus Georg Stabe ,unmemory' Ausstellungsansicht, REITER Berlin 2026. Foto: nrup.de
Claus Georg Stabe, Blue Lobstar Dub , 2026. Öl auf Leinwand, 50 cm x 100 cm
Claus Georg Stabe, Blue Lobstar Dub , 2026. Öl auf Leinwand, 50 cm x 100 cm
Claus Georg Stabe, Le temps de Mimosas (Hommage á B.), 2026. Öl auf Leinwand, 60 cm x 80 cm
Claus Georg Stabe, Le temps de Mimosas (Hommage á B.), 2026. Öl auf Leinwand, 60 cm x 80 cm
Claus Georg Stabe ,unmemory' Ausstellungsansicht, REITER Berlin 2026. Foto: nrup.de
Claus Georg Stabe ,unmemory' Ausstellungsansicht, REITER Berlin 2026. Foto: nrup.de
Claus Georg Stabe, Des mémoires (d'un revêur), 2026. Öl auf Leinwand, 60 cm x 120 cm
Claus Georg Stabe, Des mémoires (d'un revêur), 2026. Öl auf Leinwand, 60 cm x 120 cm
Claus Georg Stabe ,unmemory' Ausstellungsansicht, REITER Berlin 2026. Foto: nrup.de
Claus Georg Stabe ,unmemory' Ausstellungsansicht, REITER Berlin 2026. Foto: nrup.de
Claus Georg Stabe, Dream river (Lethe), 2025. Öl auf Leinwand, 24 cm x 30 cm
Claus Georg Stabe, Dream river (Lethe), 2025. Öl auf Leinwand, 24 cm x 30 cm
Claus Georg Stabe, The Sunset Violent (as I remember), 2026. Öl auf Leinwand, 220 cm x 149.5 cm
Claus Georg Stabe, The Sunset Violent (as I remember), 2026. Öl auf Leinwand, 220 cm x 149.5 cm
Claus Georg Stabe, Naturalesque II, 2025. Öl auf Leinwand, 60 cm x 60 cm
Claus Georg Stabe, Naturalesque II, 2025. Öl auf Leinwand, 60 cm x 60 cm
Claus Georg Stabe ,unmemory' Ausstellungsansicht, REITER Berlin 2026. Foto: nrup.de
Claus Georg Stabe ,unmemory' Ausstellungsansicht, REITER Berlin 2026. Foto: nrup.de
Claus Georg Stabe, Nightfall I, 2025. Öl auf Leinwand, 50 cm x 40 cm
Claus Georg Stabe, Nightfall I, 2025. Öl auf Leinwand, 50 cm x 40 cm
Claus Georg Stabe, (I've got the feeling, it begun to) Warp II, 2026. Öl auf Leinwand, 140 cm x 190 cm
Claus Georg Stabe, (I've got the feeling, it begun to) Warp II, 2026. Öl auf Leinwand, 140 cm x 190 cm
Claus Georg Stabe, Vom Sprengen des Gartens I, 2025. Öl auf Leinwand, 30 cm x 25 cm
Claus Georg Stabe, Vom Sprengen des Gartens I, 2025. Öl auf Leinwand, 30 cm x 25 cm
Claus Georg Stabe, Closing, 2025. Öl auf Leinwand, 40 cm x 30 cm
Claus Georg Stabe, Closing, 2025. Öl auf Leinwand, 40 cm x 30 cm
Claus Georg Stabe ,unmemory' Ausstellungsansicht, REITER Berlin 2026. Foto: nrup.de
Claus Georg Stabe ,unmemory' Ausstellungsansicht, REITER Berlin 2026. Foto: nrup.de
Claus Georg Stabe, Naturalesque I, 2025. Öl auf Leinwand, 90 cm x 60 cm
Claus Georg Stabe, Naturalesque I, 2025. Öl auf Leinwand, 90 cm x 60 cm
Claus Georg Stabe ,unmemory' Ausstellungsansicht, REITER Berlin 2026. Foto: nrup.de
Claus Georg Stabe ,unmemory' Ausstellungsansicht, REITER Berlin 2026. Foto: nrup.de
Claus Georg Stabe, Opening II, 2025. Öl auf Leinwand, 160 cm x 110 cm
Claus Georg Stabe, Opening II, 2025. Öl auf Leinwand, 160 cm x 110 cm
Claus Georg Stabe ,unmemory' Ausstellungsansicht, REITER Berlin 2026. Foto: nrup.de
Claus Georg Stabe ,unmemory' Ausstellungsansicht, REITER Berlin 2026. Foto: nrup.de
Claus Georg Stabe, Vom Sprengen des Gartens II, 2025. Öl auf Leinwand, 30 cm x 24 cm
Claus Georg Stabe, Vom Sprengen des Gartens II, 2025. Öl auf Leinwand, 30 cm x 24 cm
Claus Georg Stabe ,unmemory' Ausstellungsansicht, REITER Berlin 2026. Foto: nrup.de
Claus Georg Stabe ,unmemory' Ausstellungsansicht, REITER Berlin 2026. Foto: nrup.de
Claus Georg Stabe, Nightfall III, 2025. Öl auf Leinwand, 40 cm x 30 cm
Claus Georg Stabe, Nightfall III, 2025. Öl auf Leinwand, 40 cm x 30 cm
Ausstellungseröffnung am Freitag, 13. Februar 2026 17 - 21 Uhr

Unmemory

Als Kind hatte ich ein ziemlich konkretes Bild davon, wie ich einmal als Vater agieren würde – bedingungslose Liebe, leidenschaftliche Aufopferung. Ich würde meinen Kindern die Schönheit der Welt zeigen, die in ihr wirkenden Zusammenhänge erklären, wäre ihr bester Freund, hätte immer für sie Zeit, würde auf sie zukommen, wenn ich das Gefühl hätte, etwas sei nicht in Ordnung. Auf gar keinen Fall aber würde ich zulassen, dass sie sich mir gegenüber verloren und missverstanden fühlten. Ich wäre nicht wie mein eigener Vater, der mir und dem ich fremd war. Ich würde anders sein.
Ich könnte hier aufhören. Dieser kleinen, ein bisschen traurigen Geschichte mangelt es schließlich nicht an kausalen Zusammenhängen, um als vollständig zu gelten: So was kommt von sowas – ein positives zukünftiges Selbstbild, das sich aus einer negativen Gegenwartserfahrung generiert und das Subjekt stabilisiert. Aber einen entscheidenden Teil dieser Geschichte, der zur bildhaften Vorstellung meines zukünftigen Ichs führte, habe ich verschwiegen, nämlich den maßgeblichen Einfluss, den meine medialen Erinnerungen in dieser Zukunftsprojektion spielten: Ich hatte Unmengen amerikanischer Filme und Serien gesehen, hatte Dutzende Bücher gelesen, in denen genau solche Väter auftauchten, wie ich einer sein wollte. Ich sehnte mich nach ihnen, da ich aber nun mal den meinen schlecht umformen konnte, wurden sie zu meinen Vorbildern.
Der Blick in die Kunstgeschichte, die Prägung durch LehrerInnen und andere KünstlerInnen, die Idee des idealen Bildes dienen im Hier und Jetzt der Kunstproduktion gemeinhin als Stabilisatoren und ermöglichen eine positive Erwartung an die Zukunft, in diesem Fall das Resultat. Claus Stabe aber verbietet sich in seiner aktuellen Bildproduktion programmatisch diese Aufgehobenheit im temporalen Gefüge. Er hinterfragt die eigene visuelle und handwerkliche Bedingung und Prägung, arbeitet gegen sie und verbietet ihr, so fern das möglich ist, sich Raum zu schaffen. Er will vergessen lernen, hat sich hinsichtlich der Vergangenheit aktiv für einen Verblassungsprozess entschieden, will erleben, wie sich im Hier und Jetzt des bildnerischen Prozesses seine künstlerische Identität, befreit von historischem Ballast, immer wieder neu materialisiert und entfiktionalisiert.
Als ich tatsächlich Vater wurde, verblassten in mir die Erinnerungen an die fiktionalen, idealisierten Superdads aus Hollywood – sie taugten nicht mehr zur Stabilisierung meines gegenwärtigen Ichs sowie positiver Projektionen in die Zukunft. Ich lernte, dass mir weder schlechte noch gute Vorbilder dienlich waren, dass es nur das Hier und Jetzt gibt, in dem ich zusammen mit meinem Kind existiere, lernte, dass ich auf jegliche Selbstkonzeption verzichten muss. Auch Stabe will keiner Idee folgen, die unter dem Verdacht steht, nicht die eigene zu sein, sondern einer wie auch immer gearteten Form von Prägung entsprang. Künstlerische Freiheit ist heute in erster Linie ein juristischer Begriff, der auf Werke angewendet wird, aber eigentlich beschreibt sie einen womöglich unerreichbaren Zustand, der am Ende eines emanzipatorischen Prozesses steht, der sich nicht im Galerieraum abbildet, sondern im Atelier aktiv erlebt wird. Künstlerische Freiheit bedeutet, zu vergessen, wer man sein wollte, zu vergessen, was andere aus einem machen wollten. Vergessen bedeutet, sich selbst den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Angeblich bedeutet die daraus resultierende mangelnde Erdung unwiderruflich den freien Fall. Für den Vater mag das zutreffen, schließlich gibt es, das Handlungsspektrum sogenannter Sorgeberechtigter betreffend, sinnvolle gesellschaftliche Übereinkünfte. Als Künstler aber hebt man vielleicht ab, fliegt davon und schafft etwas, was die eigene und unser aller Vorstellungskraft übersteigt, etwas Neues, etwas Atemberaubendes. Unmöglich, sagen Sie? Nun, die Kunstgeschichte beweist das Gegenteil. Aber, huch, wir wollten doch vergessen lernen. Sehen Sie, wie schwer das ist?

– Carsten Tabel, 2026