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Katsuhiko Matsubara Helen Hu Anna Steinert Mette Homar Michelle Jezierski vibrant margins

Leipzig 14.03.–18.04.2026

14.03., 17:00 Uhr Eröffnung von 17 bis 21 Uhr
Was geschieht im Moment, bevor ein Bild zur Darstellung wird? Bevor sich ein Horizont festlegt, eine Form stabilisiert, eine Farbe Bedeutung annimmt? Die in dieser Ausstellung versammelten Positionen setzen genau an diesem Punkt an. Sie verstehen Malerei nicht als Abbild einer äußeren Wirklichkeit, sondern als einen Vorgang, der sich auf der Leinwand ereignet – als Spur von Handlung, als Verdichtung von Zeit, als konkrete Auseinandersetzung mit Farbe und Fläche.
Die beteiligten Künstler:innen – Katsuhiko Matsubara, Anna Steinert, Mette Homar, Michelle Jezierski und Helen Hu – verbindet kein gemeinsamer Stil, wohl aber ein vergleichbares Interesse: das Arbeiten an Schwellen. Ihre Bilder bewegen sich in Zonen, in denen sich Figuration andeutet, ohne sich festzuschreiben, und Abstraktion strukturell wirksam wird, ohne rein formal zu bleiben.
Landschaft fungiert dabei häufig als Referenz, jedoch nicht als geografisch bestimmbarer Ort. Horizonte, Küstenlinien oder vegetabile Strukturen dienen als Ausgangspunkte für komplexe Bildordnungen. In den vielschichtigen Ölräumen von Katsuhiko Matsubara verdichten sich Farbe und Textur zu organischen Gefügen, die eher an energetische Systeme als an topografische Ansichten erinnern. Seine Auseinandersetzung mit animistischen Denkmodellen verbindet sich mit einer präzisen Kenntnis westlicher Bildtraditionen, ohne in eklektische Zitate zu verfallen.
Mette Homar kehrt wiederholt an denselben Küstenabschnitt zurück, doch jede Annäherung führt zu einer anderen Lösung. Wiederholung wird hier nicht als Motivkonstanz, sondern als Verschiebung der Wahrnehmung erfahrbar. Farbe strukturiert den Raum, ohne ihn festzulegen. Auch Michelle Jezierski untersucht, wie Bildräume konstruiert werden: Raster, Schnitte und subtile Verschiebungen greifen in vermeintlich vertraute Himmels- oder Meeresräume ein und machen deutlich, dass räumliche Tiefe und Stabilität Resultate bildnerischer Entscheidungen sind.
Bei Anna Steinert wird das Bild zum Feld der Überarbeitung. Zerstörung, Übermalung und Neuanfang sind integrale Bestandteile eines Prozesses, der Spannungen nicht glättet, sondern produktiv hält. Form entsteht hier aus Widerstand und Korrektur.
Helen Hu richtet ihr Augenmerk auf jene instabilen Momente, in denen Bedeutung sich noch nicht verfestigt hat. Ihre Malerei speichert Bewegung und Rhythmus in Schichtungen, die ein Changieren zwischen Kontrolle und Offenheit erkennen lassen. Das Bild erscheint als temporäre Konstellation – als Zustand, nicht als Abschluss.
VIBRANT MARGINS bezeichnet in diesem Zusammenhang keinen Rand im Sinne eines Nebenschauplatzes, sondern einen Arbeitsbereich. Gemeint sind Übergangszonen, in denen sich Ordnungen verschieben und Wahrnehmung neu formiert. Die Ausstellung versammelt Positionen, die Malerei als gegenwärtiges, offenes Medium begreifen – als Praxis, die ihre Bedingungen reflektiert und gerade im Unfestgelegten ihre Präzision findet.
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